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Der Civetta
(auch Monte Civetta genannt), 3220M wird zu Recht als die "Universität
der Alpinistik", "Wand der Wände" und "Regno del Sesto Grado,d.h. Reich
des VI Grades", bezeichnet. Das genaue Jahr seiner ersten Ersteigung ist
historisch unbekannt. Bekannt ist nur, dass zwischen 1855 und 1865 der
Gemsejäger Simeone De Silvestro (1833-1905) aus Pécol di Zoldo, besser
bekannt als Piovanèl, die Hauptspitze erreichte, sehr wahrscheinlich indem
er eine Beute verfolgte. Erst 1867 wurde der Civetta zu alpinistischen
Zwecken erstiegen: erst mal von dem Engländer Francis Fox Tuckett (1834-1913),
mit den Schweizer Bergführern Melchior (1827-1914) und Jakobs Anderegg,
nachher von Paul Grohmann, von Piovanèl begleitet. Der erste Weg, welcher
die gefährliche nord-westliche und etwa 1000M hohe Wand direkt betrifft,
wurde 1895 von den Engländern John Swinnerton Phillmore (1873-?) und Arthur
Guy Raynor (1863-1935) eröffnet,und deswegen "Weg der Engländer" genannt.
Bei diesem Unternehmen waren sie von den Bergführern Antonio Dimai
(1866-1948) und Giovanni Siorpaés (1869-1909), dem Sohn des berühmten
Santo begleitet. Cesare Tomé (1844-1922), großer Pionier aus Agordo, entdeckte
1906 einen weiteren Weg auf der nord-westlichen Wand des Civetta, welcher
logischer und direkter als jener der Engländer war. Mit ihm war der Bergführer
Santo De Toni (1849-1926) und Donato Dal Buos. Allerdings wurde der logischste
"tropfenförmige" Weg zur Spitze 1925 vom Bayrischen Emil Solleder (1899-1931)
eröffnet, als er mit dem Reisegefährten Gustav Lettenbauer am 7. August
den berühmten "direkten Weg" anlegte und dabei die Türe der sogenannten
Ära des VI Grades in den Dolomiten und in der Welt überhaupt eröffnete.
Einzelne Strecken von solchen Schwierigkeiten waren höchst wahrscheinlich
vorher schon überschritten worden, aber sicherlich nie auf einem so langen
und komplizierten Weg. Es folgte dann ein, dank solchem erfolgreichem
Unternehmen goldenes Jahrzehnt auch für die italienische Alpinistik. Namen
aus Belluno wie Tissi, Andrich, Rudatis, Bianchet, Zancristoforo, Faé,
Bortoli, Parizzi, Zanetti, Ghelli traten in Vordergrund, sowie die etwas
älteren Comici, Benedetti, Carlesso, Gilberti, Videsott, Soldà, Menti,
Sandri, Castiglioni, Cassin, Ratti und Dell'Oro. All diese Leute können
als "Herren der Alpinistik" betrachtet werden, da sie eine unvergängliche
Spur in der Geschichte der Dolomiten hinterlassen haben. Danach wurde
die Klettertechnik schauklerisch- sportlich, eine Technik, die auf den
magischen und großartigen Wänden des Civetta zur höchsten Phantasie und
Entwicklung gelangte...
Die Moiazza ist ein holperiger Bergkomplex sehr nah am Civetta. In der
Alpenteilung bildet sie eine Untergruppe des Civetta, ihres Mutters, von
dem sie durch die Forcella delle Sasse getrennt ist, welche in fernliegenden
Zeiten von Hintern und Jägern durchquert wurde. Die Klettergeschichte
fing 1885 an, mit dem Unternehmen einiger von unbekannten Einheimischen
begleiteten Topographen, welche die Moiazzetta und die Moiazza erreichten,
heute als Cima della Moiazzetta della Grava, 2727M und Moiazza Nord, 2865-2870M
bekannt. Großer Pionier dieser Berge ist Cesare Tomé (1844-1922) aus Agordo,
der 1893 sein Unternehmen anfing, als er den Corno di Framónt, 2186M mit
dem Bergführer Pietro Conedera erstieg. 1893 widmete er der Moiazza eine
intensive Kletter- und Forschungstätigkeit in der Begleitung vom Bergführer
Eugenio Conedera "Beca" und von Luigi Farenzena. Jenes Jahr erreichte
Tomé den höchsten Gipfel: Moiazza Sud und Cima delle Sasse, beide 2878M
hoch (einziger bekannter Fall von zwei zu derselben Gruppe gehörenden
Gipfeln, die genau so hoch sind, auch wenn ziemlich weit voneinander liegend.
1900 wurde die Moiazza von Lothar Patéra aus Wien (1867-1931) erstiegen,
der erstaunlicherweise nur drei Stunden von der Hütte Casèra Moiazza,
1758M brauchte.
Arturo Andreoletti (1884-1977) ist ein weiterer Pionier der Moiazza gewesen,
weil er dem nördlichen Teil des Agner und der Moiazza im Jahre 1913 verschiedene
Kletterunternehmen widmete. Weitere erfolgreiche Kletterer sind die Brüder
aus Belluno Gianangelo und Tito Sperti mit Francesco "Checo" Zanetti 1923
und die Brüder Valentino und Giovanni Angelini mit Franco Vienna 1928.
Die moderne Ära der Alpinistik wurde 1936 von Alfonso Vinci, Paolo Riva
und Camillo Giumelli in der Gruppe der Moiazza, bzw. auf der westlichen
Wand der Castello delle Nevère, 2599M eingeleitet, als sie einen Weg vom
VI Grad mit 19 Stunden eigentlichen Kletterns eröffneten... .
Die Klettergeschichte der Gruppe San Sebastiano- Tàmer kann nicht genau
rekonstruiert werden, weil die ziemlich einfache Struktur dieses Komplexes
annehmen lässt, dass einige wichtigen Gipfel schon vor der Geburt
der Alpinistik von Gemsenjägern erreicht worden sein könnten, auch wenn
das sich nicht mit völliger Sicherheit behaupten lässt. Die ersten Kletterer
sind zweifellos von Einheimischen begleitete Topographen gewesen. 1885
erstieg der Topograph A. Betti den Monte Tàmer, 2547M (nachher Tàmer Grande
genannt) und den Monte Castello, 2499M (nachher Castello di Moschesìn
genannt). Die Spitzen des San Sebastiano wurden 1888 von anderen Topographen
erreicht. 1893 erreichte der Bergführer aus Zoldo Rinaldo Pasqualini die
Cima della Gerdesana, 2446M. Diese wurde 1892 auch von Cesare Tomé aus
Agordo zusammen mit berühmten Bergsteigern wie Jeanne Immink, Demeter
Diamantidi und Eugen Zanden und den Bergführern Eugenio Conedera, Tomaso
Da Col, Michele Bettega und Giuseppe Zecchini, welche die Gruppe auf dem
Tàmer Piccolo, 2550M, dem höchsten Berg der ganzen Gruppe führten. Weitere
Forschungen wurden 1899 von Alfred von Radio- Radiis und in den Jahren
1907-1910-1913 von Arturo Andreoletti mit dem Bergführer Serafino Parissenti
betrieben. Der Sasso di Càleda, 2132M, trotz seiner bescheidenen Höhe,
stellt mit seinen überhängenden Wänden den Anbruch des VI Grades in der
Gruppe dar. Die Protagonisten dieses Unternehmens waren Franco Contini
und Umberto Benvegnù, die 1961 die sud-westliche Ecke eroberten. Dies
beweist, dass die anscheinende Bescheidenheit einer Bergkette in den Dolomiten
nie täuschen sollte, sie könnte nämlich Überraschungen ohne Ende bereiten...
Der S'ciara de Oro, d.h. der Schiàra ist der schönste Berg der
Mulde um Belluno. Nach dem Hauptgipfel (Schiàra, 2565M) wird die ganze
Gruppe genannt, dieser wurde zum ersten Mal 1878 von Cesare Tomé aus Agordo
erreicht. Dabei war er vom deutschen Bergsteiger Gottfried Merzbacher,
vom großen Bergführer Santo Siorpaés und von einem in Pian dei Gat engagierten
einheimischen Jäger begleitet, der leider unbekannt blieb, aber als echter
Protagonist dieses erfolgreichen Unternehmens betrachtet werden kann,
da er der einzige war, der den Weg zum Abstieg kannte. Allerdings handelte
es sich fast sicherlich nicht um die erste Ersteigung; Die Spitze sollte
nämlich vorher von Jägern schon erreicht worden sein, wie die Auffindung
einer Gemsgerippe bei der Spitze des Schiàra beweist. Der größte Vorzug
dieses Bergs ist das unendliche Panorama, das man auf der Spitze genießen
kann, und worüber Merzbacher sagte: "...sicherlich der entzückendste,
abwechselungsreichste und großartigste Berg der ganzen Dolomiten." Der
erste moderne "Erforscher" der Schiàra ist Antonio Berti (1882-1956) gewesen,
der 1909 die erste Überfahrt von Süden nach Norden mit Maria und Gino
Carugati aus Mailand durchführte. Der zweite war Artuto Andreoletti (1883-1977),
einer der besten Bergsteiger jener Zeit, der den Schiàra völlig durchsuchte
und eine systematische Monographie darüber veröffentlichte, mit dem Titel
"La sinistra del Canale di Agordo" (La Rivista Mensile del CAI,
Nr.4, 1914), später wiederaufgenommen in dem "Guida Sperti"(Reiseführer
Sperti) vom 1928. Andreolettis bedeutendstes Unternehmen ist die Ersteigung
des Gùsela del Vescovà im Jahre 1913 gewesen ( 1909 hatte er dieses Unternehmen
mit einer Truppe Alpenjäger schon versucht). Dieses Unternehmen, in dem
Andreoletti vom berühmten Bergführer Francesco Jori aus Fassa und vom
Alpenjäger Giuseppe Pasquali aus Falcade begleitet wurde, stellte den
Anfang der sogenannten "modernen akrobatischen Alpinistik" dar. Bemerkenswert
als ständiger Besucher der Gruppe des Schiàra sind Francesco Terribile
(1884-1977), seit 1919 Vorsitzender der Abteilung in Belluno vom CAI und
die Jäger Eugenio da Rold "Genio Pol" genannt (1891-1980) und Gioacchino
"Chino" Viel (1893-1973).
1920 wurde die großartige südliche Wand des Schiàra vom Alpenjägeroberleutnant
Luigi Zacchi mit dem Alpenjäger Giovanni Olivotto durch einen ziemlich
komplizierten Weg erklettert, welcher im selben Jahr von Gianangelo Sperti
mit "Chino" Viel verbessert wurde. Danach wurde der Schiàra eine kühne
Kletterschule für sehr gute Erforscher und Bergsteiger wie die Brüder
Valentino und Giovanni Angelini, Silvio Sperti, Francesco Zanetti und
Attilio Zancristoforo. Auf diesen Felszacken fing mit 17 der Schriftsteller
Dino Buzzati (1906-1972) sein Kletterleben an.
Von Italo Zandonella Callegher
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